...weil wir neulich kurz über Schäuble und seine Chancen als rollstuhlfahrender Politiker gesprochen haben.
Heute Nacht kam eine recht interessante Reportage über Schäuble. Sie charakterisiert ihn als einen der letzten Politiker "vom alten Schlag". Zu Wort kommen Wegbegleiter wie Oskar Lafontaine, der ja ebenfalls im selben Jahr Ofer eines Attentats wurde, Heiner Geißler, der ja auch nicht gerade der größte Kohl-Anhänger war, und andere.
Es wird recht deutlich, warum Schäuble selbst innerhalb der CDU immer schon umstritten war, im Ausland aber fast ausnahmslos hoch angesehen wird. Phasenweise wirkt der Film ein wenig wie die große Abrechnung mit Helmut Kohl, wobei ich vermute, dass Schäuble selbst das sehr wohl differenzierter sieht. Aber natürlich werden die Parteispendenaffaire und der damit geplatzte Traum von der Kanzlerkandidatur thematisiert. Völlig neu war für mich die Tatsache, dass es ein Gespräch zwischen Merkel, Stoiber und Westerwelle gab, in dessen Folge Köhler und nicht Schäuble Bundespräsident wurde. Nett an dieser Stelle der sinngemäße Kommentar des Filmemachers: Sie werden es wohl mehr als einmal bereut haben.
Der Film macht deutlich, dass Schäuble ein Vollblutpolitiker, ein Arbeitstier ist, der sein Handwerk versteht und im Laufe der vielen Jahre, mit vielen Rückschlägen und Stolpersteinen, eine Integrität entwickelt hat, die ihn offenbar immun gegen die Parteiräson macht.
Nebenbei, weil grad so viel diskutiert: Er verglich zu Guttenberg, lange vor der Plagiatsaffaire, mit Lena Meyer-Landrut. Diesen Vergleich finde ich sehr passend

Wer es sehen mag, hier der Link zur Mediathek:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/ ... -Gnadenlos