Ja eben. Und genau das begreife ich nicht. Heute ist alles so wahnsinnig geheim. Datenschutzgesetze kannte doch vor 20 jahren kein Mensch. Als ich in der Schule war, standen alle zensuren öffentlich im Klassenbuch, für jeden einsehbar. Heute gibts ein extra Notenbuch, das unter Verschluss gehalten werden muss, und Lieschen Müller darf auf keinen Fall wissen, dass Kevin Skowronzek wieder die Mathearbeit vergeigt hat. Aber sowohl Lieschen als auch Kevin ebenso wie Lieschens und Kevins Eltern verbreiten ihr komplettes Privatleben via Internet über den gesamten Erdball und findens toll. Ok, Lieschen ist dann irgendwann mal irritiert, wenn sie den Sekretärinnenjob in der Chefetage nicht bekommt, weil der potentielle Arbeitgeber die Nacktbilder ihres letzten Malle-Urlaubs dann doch nicht sooo prickelnd fand. Und Kevin ärgert sich, dass er sich seinen Ruf nicht mehr höchstselbst versauen kann, weils andere für ihn tun. Aber Gedanken machen sie sich über FB eher nicht. Da hat man ja seine Freunde. Viele Freunde. Und auch die andauernde Ebbe auf dem Konto ist kein Zeichen. Die netten Angebote waren wirklich alle ganz ganz preiswert. Schnäppchen sozusagen....
Aber wahrscheinlich sind wir beide irgendwann die, über die sich gewundert wird. Nämlich dann, wenn mittels RFID-Chips ohnehin jeder seine ganz individuellen Preise im Supermarkt zugeteilt bekommt. Dann denken wir erstaunt, dass wir doch gar nicht mitspielen im Spiel um den gläsernen Bürger. Und Kevin und Lieschen lachen, weil wir die Zeit irgendwie verpennt haben.
